Hoffnung durch den gekreuzigten Gott.
Jürgen Moltmann wird 80 Jahre alt.
Mit der „Theologie der Hoffnung“ wurde er 1964 berühmt und inspirierte Christen in aller Welt – heute, am 8.4., wird er nun 80 Jahre alt: Der Evangelische Theologe Jürgen Moltmann, einer der meistgelesenen deutschsprachigen Theologen. Der Glaube an Gott stehe für Veränderungen im Diesseits, nicht für eine Vertröstung auf das Jenseits, so seine Botschaft in den 60er Jahren. Der Grund für seine mitunter progressiven Thesen sind eigene Lebenserfahrungen. Von seinen prägenden Erfahrungen hat er Christoph Fleischmann erzählt.
17 Jahre alt war Jürgen Moltmann damals. Einige Jahre später hat er eine Antwort auf seine Frage gefunden. Sie wurde für ihn zum Ausgangspunkt seines Theologiestudiums:
Nach kurzer Zeit als Dorfpfarrer wurde Moltmann Theologieprofessor zuerst in Wuppertal und Bonn und dann von 1967 bis 1994 in Tübingen. Seine Erfahrungen aus dem Krieg spiegeln sich besondern in seinem Buch „Der gekreuzigte Gott“, in dem er die Bedeutung des Leidens Jesu entfaltet: Jesus leide nicht nur stellvertretend für die Sünden der Menschen, sondern er leide auch mit den Menschen. Gott, der Vater, ist nicht mehr ein Gott, dessen Zorn gestillt werden muss, sondern der Vater, dem das Herz bricht angesichts des Todes seines Sohnes und angesichts des Leides in der Welt. Die Frage nach dem Leid wird also neu gestellt: Nicht: warum lässt Gott das zu? Sondern: Wo leidet Gott heute? Wo ist Gott?
Die Zukunft war das große Thema von Moltmanns Theologie. Sie spannt sich von seinem ersten großen Werk, der „Theologie der Hoffnung“ bis zu seiner Abschlussvorlesung über die Eschatologie, also die kirchliche Lehre über Tod, Weltgericht und ewiges Leben. Wie seine Theologie aus persönlichen Erfahrungen gespeist wurde, so hat er seine Theologie auch immer auf konkrete Erfahrungen zurückbezogen. Das ewige Leben war für ihn nicht nur eine Frage des Jenseits, sondern auch eine Erfahrung im Diesseits.
Ein Grund für die Erfahrungssättigung seiner Theologie ist sicher auch, dass Moltmann nicht allein im Tübinger Hörsaal seine Gedanken entwickelte, sondern in zahlreichen Dialogen mit Maxisten, Juden und Christen aus der Dritten Welt. Er entwickelte seine Theologie im Gespräch mit der Theologie der Befreiung - und im Gespräch mit seiner Frau Elisabeth Moltmann-Wendel, eine der ersten feministischen Theologinnen in Deutschland.
Deutsche Welle / 8.4.2006
Die Theologie war ihm nicht in die Wiege gelegt: Jürgen Moltmann stammt aus einem säkularisierten Hamburger Elternhaus Aber eine dramatische Erfahrung führte ihn zu der Frage nach Gott.
O-Ton 1
Die Frage überfiel mich zuerst während der Operation Gomorrah, der Luftangriff auf Hamburg im Juli 1943. Ich lag mit meiner Klasse in der Alsterbatterie und wir wurden von Bomben eingedeckt. Die Bombe, die den Freund neben mir zerriss, hat mich verschont. Und in der Nacht habe ich zum ersten Mal gefragt: Wo ist Gott? Meine Frage war nicht: Warum lässt Gott das zu? In den Nächten sind 40.000 Menschen verbrannt im Feuersturm, sondern meine Frage war: Wo ist Gott?
Die Frage überfiel mich zuerst während der Operation Gomorrah, der Luftangriff auf Hamburg im Juli 1943. Ich lag mit meiner Klasse in der Alsterbatterie und wir wurden von Bomben eingedeckt. Die Bombe, die den Freund neben mir zerriss, hat mich verschont. Und in der Nacht habe ich zum ersten Mal gefragt: Wo ist Gott? Meine Frage war nicht: Warum lässt Gott das zu? In den Nächten sind 40.000 Menschen verbrannt im Feuersturm, sondern meine Frage war: Wo ist Gott?
17 Jahre alt war Jürgen Moltmann damals. Einige Jahre später hat er eine Antwort auf seine Frage gefunden. Sie wurde für ihn zum Ausgangspunkt seines Theologiestudiums:
O-Ton 2
Ich war drei Jahre lang in Kriegsgefangenschaft in Schottland und in England, als ich zum ersten Mal eine Bibel las und in den Klagespsalmen eine Antwort auf meine Gefühle fand. Die Gefühle der Verlassenheit und dann in dem gekreuzigten Christus den einen fand, der mich verstand. Er starb mit den Worten: Warum hast Du mich verlassen und so fühlte ich mich damals auch und fand da zum ersten Mal jemanden, der mich verstand, so dass ich dann um Christi Willen an Gott geglaubt habe.
Ich war drei Jahre lang in Kriegsgefangenschaft in Schottland und in England, als ich zum ersten Mal eine Bibel las und in den Klagespsalmen eine Antwort auf meine Gefühle fand. Die Gefühle der Verlassenheit und dann in dem gekreuzigten Christus den einen fand, der mich verstand. Er starb mit den Worten: Warum hast Du mich verlassen und so fühlte ich mich damals auch und fand da zum ersten Mal jemanden, der mich verstand, so dass ich dann um Christi Willen an Gott geglaubt habe.
Nach kurzer Zeit als Dorfpfarrer wurde Moltmann Theologieprofessor zuerst in Wuppertal und Bonn und dann von 1967 bis 1994 in Tübingen. Seine Erfahrungen aus dem Krieg spiegeln sich besondern in seinem Buch „Der gekreuzigte Gott“, in dem er die Bedeutung des Leidens Jesu entfaltet: Jesus leide nicht nur stellvertretend für die Sünden der Menschen, sondern er leide auch mit den Menschen. Gott, der Vater, ist nicht mehr ein Gott, dessen Zorn gestillt werden muss, sondern der Vater, dem das Herz bricht angesichts des Todes seines Sohnes und angesichts des Leides in der Welt. Die Frage nach dem Leid wird also neu gestellt: Nicht: warum lässt Gott das zu? Sondern: Wo leidet Gott heute? Wo ist Gott?
O-Ton 3
Er ist in dieser Person Jesus Christus mir nahe in all meinen Situationen, den Situationen der Freude, den Situationen in denen man einen Sinn im leben sieht und vor allem in den Situationen, wo man keinen Sinn mehr findet, wo alles um einen dunkel ist und man sich von Gott und der Welt verlassen fühlt. In dieser Verlassenheit habe ich den verlassenen Christus gefunden und er hat mich dann zum Vertrauen auf Gott und die Zukunft gebracht.
Er ist in dieser Person Jesus Christus mir nahe in all meinen Situationen, den Situationen der Freude, den Situationen in denen man einen Sinn im leben sieht und vor allem in den Situationen, wo man keinen Sinn mehr findet, wo alles um einen dunkel ist und man sich von Gott und der Welt verlassen fühlt. In dieser Verlassenheit habe ich den verlassenen Christus gefunden und er hat mich dann zum Vertrauen auf Gott und die Zukunft gebracht.
Die Zukunft war das große Thema von Moltmanns Theologie. Sie spannt sich von seinem ersten großen Werk, der „Theologie der Hoffnung“ bis zu seiner Abschlussvorlesung über die Eschatologie, also die kirchliche Lehre über Tod, Weltgericht und ewiges Leben. Wie seine Theologie aus persönlichen Erfahrungen gespeist wurde, so hat er seine Theologie auch immer auf konkrete Erfahrungen zurückbezogen. Das ewige Leben war für ihn nicht nur eine Frage des Jenseits, sondern auch eine Erfahrung im Diesseits.
O-Ton 4
Ein ganz erfülltes Leben ist ein ewiges Leben und der Augenblick in dem ich ganz und gar gegenwärtig bin, also nicht mit Erinnerungen meinem Leben hinterherlaufe und nicht in Träumen meinem Leben vorweglaufe, sondern ganz gegenwärtig bin, das ist ein ewiger Augenblick. [...] Man muss das nicht eschatologisch nennen, das ist so ein theologischer Ausdruck, sondern das ist Ewigkeit im Augenblick, [...] so dass man von da aus voller Hoffnung in die Zukunft auch über den Tod hinaus blicken kann.
Ein ganz erfülltes Leben ist ein ewiges Leben und der Augenblick in dem ich ganz und gar gegenwärtig bin, also nicht mit Erinnerungen meinem Leben hinterherlaufe und nicht in Träumen meinem Leben vorweglaufe, sondern ganz gegenwärtig bin, das ist ein ewiger Augenblick. [...] Man muss das nicht eschatologisch nennen, das ist so ein theologischer Ausdruck, sondern das ist Ewigkeit im Augenblick, [...] so dass man von da aus voller Hoffnung in die Zukunft auch über den Tod hinaus blicken kann.
Ein Grund für die Erfahrungssättigung seiner Theologie ist sicher auch, dass Moltmann nicht allein im Tübinger Hörsaal seine Gedanken entwickelte, sondern in zahlreichen Dialogen mit Maxisten, Juden und Christen aus der Dritten Welt. Er entwickelte seine Theologie im Gespräch mit der Theologie der Befreiung - und im Gespräch mit seiner Frau Elisabeth Moltmann-Wendel, eine der ersten feministischen Theologinnen in Deutschland.
Deutsche Welle / 8.4.2006



