Anbetung oder Atmosphäre?
Nightfever im Kölner Dom.
Eucharistische Anbetung kennen diejenigen noch, die aus einem katholischen Milieu kommen. Das ist das Gebet vor der gewandelten Hostie, also dem Leib Christi nach katholischer Lehre. Die Anbetung des „Allerheiligsten“ gehört heute nicht mehr zwingend zum Grundprogramm einer katholischen Kirchengemeinde: Zu alt, zu konservativ, vielleicht auch zu magisch? Ist Gott in der Hostie wirklich real präsent? – Nun sind es aber ausgerechnet die Jungen in der katholischen Kirche, die diese alte Tradition wieder aufleben lassen: In mittlerweile zehn Städten gibt es sogenannte Nightfever-Veranstaltungen: Die Kirchen werden samstags Abends bis in die Nacht offen gehalten und stimmungsvoll gestaltet für Ruhe und – eucharistische Anbetung. Christoph Fleischmann hat sich das im Kölner Dom angesehen:
Samstags Abends um Acht Uhr auf der Domplatte in Köln. Gruppen junger Männer und Frauen, die Jungesellen-Abschiede feiern, Touristen und Spaziergänger – dazwischen aber auch junge Leute, die Teelichter verteilen. Sie laden in den Dom ein, der noch offen ist – ungewöhnlich für diese Zeit.
O-Ton 1
Bin sprachlos, bin einfach sprachlos.
Sagt einer, der aus dem Dom herauskommt
O-Ton 2
Wenn man durch das Nordportal des Domes geht, verschwindet das Draußen schnell. Der Vorhang an der Tür scheint jedes Geräusch zu schlucken.
Der Dom ist nur durch Kerzen beleuchtet und die Abendsonne, die durch die bunten Fenster gefiltert wird. Teelichter auf dem Boden weisen den Weg durch den halbdunklen Dom: Erst in den Chorumgang, dann in den Chorraum, den man normalerweise nicht betreten kann.
Im alten Chorgestühl sitzen Menschen von der Straße genauso wie auf Stühlen in der Chormitte. Immer wieder gehen und kommen Menschen. Die Kommenden setzen sich, mehr nicht, hören der Musik der kleinen Band zu, manche halten den Kopf gesenkt, andere schauen sich den Dom von hier an: das Abendlicht strahlt durch das Ostfenster – durch den Chorumgang wirkt das große Gotteshaus leicht und durchlässig. Im Osten des Chores steht der berühmte Drei-Königs-Schrein mit den Reliquien der Weisen aus dem Morgenland. Davor auf dem Altar ist eine Monstranz mit einer Hostie ausgestellt.
O-Ton 3 Pokall
Erklärt Gabriela Pokall vom Leitungsteam des Kölner Nightfevers. Die Juristin organisiert mit einem Team von rund 40 jungen Leuten die Abende im Dom. Die Idee zu der Veranstaltung kam vom Weltjugendtag in Köln vor drei Jahren:
O-Ton 4 Pokall
Ausgelegte Zettel weisen die Besucher des Domes auf die Möglichkeit zur Beichte hin und informieren über das, was eucharistische Anbetung ist:
O-Ton 5 Pokall
Ob die Leute, die aus dem Dom kommen, das verstanden haben? Die Antworten fallen weniger glaubensgewiß aus, aber nicht unbeeindruckt:
O-Ton 6 Collage
O-Ton 7 Pokall
O-Ton 8 Collage
WDR 5 Diesseits von Eden / 17.8.2008
Samstags Abends um Acht Uhr auf der Domplatte in Köln. Gruppen junger Männer und Frauen, die Jungesellen-Abschiede feiern, Touristen und Spaziergänger – dazwischen aber auch junge Leute, die Teelichter verteilen. Sie laden in den Dom ein, der noch offen ist – ungewöhnlich für diese Zeit.
O-Ton 1
Bin sprachlos, bin einfach sprachlos.
Sagt einer, der aus dem Dom herauskommt
O-Ton 2
Das hat mich so angerührt, was da stattgefunden hat: Stilles Gebet, wunderschöne Musik und die Möglichkeit, für heute mal in sich zu gehen.
Wenn man durch das Nordportal des Domes geht, verschwindet das Draußen schnell. Der Vorhang an der Tür scheint jedes Geräusch zu schlucken.
Der Dom ist nur durch Kerzen beleuchtet und die Abendsonne, die durch die bunten Fenster gefiltert wird. Teelichter auf dem Boden weisen den Weg durch den halbdunklen Dom: Erst in den Chorumgang, dann in den Chorraum, den man normalerweise nicht betreten kann.
Im alten Chorgestühl sitzen Menschen von der Straße genauso wie auf Stühlen in der Chormitte. Immer wieder gehen und kommen Menschen. Die Kommenden setzen sich, mehr nicht, hören der Musik der kleinen Band zu, manche halten den Kopf gesenkt, andere schauen sich den Dom von hier an: das Abendlicht strahlt durch das Ostfenster – durch den Chorumgang wirkt das große Gotteshaus leicht und durchlässig. Im Osten des Chores steht der berühmte Drei-Königs-Schrein mit den Reliquien der Weisen aus dem Morgenland. Davor auf dem Altar ist eine Monstranz mit einer Hostie ausgestellt.
O-Ton 3 Pokall
Diese eucharistische Anbetung, die steht ja im Mittelpunkt. Das ist im Grunde das, was Nightfever ausmacht. 8’18 Es ist die Mischung aus eucharistischer Anbetung, diese musikalische Untermalung, also die gestaltete Anbetung, den ganzen Abend, die Beichtmöglichkeit und diese Mission, diese Straßenmission, dass wir die Leute von der Straße auch einladen.
Erklärt Gabriela Pokall vom Leitungsteam des Kölner Nightfevers. Die Juristin organisiert mit einem Team von rund 40 jungen Leuten die Abende im Dom. Die Idee zu der Veranstaltung kam vom Weltjugendtag in Köln vor drei Jahren:
O-Ton 4 Pokall
Während der Vigilfeier war es das erste Mal, das während eines Weltjugendtages eine eucharistische Anbetung durchgeführt wurde. Und es war sehr beeindruckend mit einer Million Jugendlicher diese Form des Gebetes unter freiem Himmel, ja, zum Ausdruck zu bringen: Vor dem Herrn gemeinsam zu beten.
Ausgelegte Zettel weisen die Besucher des Domes auf die Möglichkeit zur Beichte hin und informieren über das, was eucharistische Anbetung ist:
O-Ton 5 Pokall
Das glauben wir Katholiken, dass diese Hostie nicht mehr nur Brot ist, sondern Christus selbst und ihn beten wir dort an in dieser Gestalt. Für mich ist es immer nochmal eine viel persönlichere Art des Gebets, die ich vor dem Allerheiligsten in Anspruch nehmen kann, weil Christus mit dort direkter nah ist.
Ob die Leute, die aus dem Dom kommen, das verstanden haben? Die Antworten fallen weniger glaubensgewiß aus, aber nicht unbeeindruckt:
O-Ton 6 Collage
„Ich fand den Dom sehr schön mit der Kerzenbeleuchtung und mit dem Gesang, das fand ich sehr schön. Mal ganz anders.“
XIII 0’30 „Das Kerzenanzünden find ich jetzt schön und die Lieder, schöne Atmosphäre.“
XIV 0’10 „Wir sind grad dies Wochenende in Köln und da machen wir noch einen Rundgang durch die Altstadt, das hat sich grad so ergeben, [...] Ja, war nett.“
XIII 0’30 „Das Kerzenanzünden find ich jetzt schön und die Lieder, schöne Atmosphäre.“
XIV 0’10 „Wir sind grad dies Wochenende in Köln und da machen wir noch einen Rundgang durch die Altstadt, das hat sich grad so ergeben, [...] Ja, war nett.“
O-Ton 7 Pokall
Gut, [...] wir können nur das Angebot [...] geben, sich vor dem Herrn hinzuknien, in das Gebet zu kommen. [...] Wir wissen nicht die jeweiligen Hintergründe, die die Leute mitbringen.
O-Ton 8 Collage
„Das hab ich bisher das erste Mal erlebt, das kenn’ ich so noch nicht.“
„Aber jetzt nicht wegen dem Kirchenereignis, oder wie meiste das?“
„Doch ich find schon, dass das was besonderes ist. Doch ja.“
„Wegen den ganzen Kerzen, die da drin sind, die machen ne schöne Atmosphäre. Schönes Licht ist immer netter.“
„Und der Gesang.“
„Ja, super Gesang.“
„Ne, schon der Sinn, der dahinter steckt, neben dem Licht.“
„Aber jetzt nicht wegen dem Kirchenereignis, oder wie meiste das?“
„Doch ich find schon, dass das was besonderes ist. Doch ja.“
„Wegen den ganzen Kerzen, die da drin sind, die machen ne schöne Atmosphäre. Schönes Licht ist immer netter.“
„Und der Gesang.“
„Ja, super Gesang.“
„Ne, schon der Sinn, der dahinter steckt, neben dem Licht.“
WDR 5 Diesseits von Eden / 17.8.2008