Goethes Faust und die kapitalistische Wirtschaft.
WDR 3+5 Lebenszeichen / 1.5.2009
In der Finanzkrise wird der Kapitalismus wieder fragwürdig. Skepsis begleitet den Kapitalismus freilich schon seit den Anfängen der industriellen Beschleunigung. Johann Wolfgang von Goethe, Zeitgenosse der effizienten Dampfmaschinen von James Watt, lässt seinen Faust Karriere machen: als Staatsmann, Feldherr und früh-kapitalistischer Großunternehmer. In den letzten Jahren entdecken Germanisten und Wirtschaftswissenschaftler: Goethe hat mit Faust keinen positiven Helden geschaffen, der „immer strebend sich bemüht“, sondern einen tragischen Helden, der sich von der Macht der ökonomischen Beschleunigung aus der Bahn werfen lässt. Das Geld in seiner Form als Kapital wird für Faust zum alchemistischen Stoff, zum Wundermittel, mit dem die Zeit und damit die Vergänglichkeit des Menschen besiegt werden soll – ein verhängnisvolles und letztlich teuflisches Projekt.
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