Europäisches Musterländle oder Motor der Ungleichheit?

Es ist nicht so extrem glaubwürdig als deutscher Regierungspolitiker amerikanische Ratingagenturen zu bashen – und der bösen amerikanischen Agentur vorzuwerfen, sie würde eine Politik gegen Europa betreiben. Wer, wie die deutsche Bundesregierung an die Urteile des Marktes glaubt, der kann die Verkünder dieser Markturteile nicht verdammen wollen mehr

Ist nach der Demokratie vor der Demokratie?

Der britische Soziologe Colin Crouch, einer der Analysten post-demoktaischer Zustände, hat nachgelegt: Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus (Postdemokratie II) heißt sein neues Buch. Es bringt noch einmal eine sehr lesenwerte Analyse der Finanzkrise und ihrer ausgebliebenen Bewältigung. Damit straft er all die Lügen, die meinen, wir würden in demokratisch herrlichen Zeiten leben angesichts von Wutbürgern, Occupy, Piraten und anderen Bewegungen. Freilich setzt auch Crouch seinen Zweckoptimismus auf die Zivilgesellschaft. Auf der Freitag-Homepage habe ich etwas Wasser in den Wein gegossen. mehr

Gerechtigkeit in Zeiten der Finanzkrise.

Wie verteilen wir den auf dem Markt erwirtschaftete Reichtum oder wie regeln wir den Zugang zum Markt? Das sind derzeit die diskutierten Alternativen, die eigentlich keine sind, wenn es um die Frage nach der Gerechtigkeit geht.

Raffael Gerechtigkeit

Warum hat die Gerechtigkeit nur ihren Ort nach oder vor dem Marktgeschehen und regelt nicht mehr die Beziehungen der Menschen auf dem Markt? Ich habe das für die Kommune in Auseinandersetzung mit Axel Honneth gefragt. Grundsätzlicher, das heißt historisch, bin ich der Frage in einem Radio-Feature für den Deutschlandfunk nachgegangen. Dass etwas mehr Gerechtigkeit zumindest unsere Wirtschaft stabiler machen würde, habe ich knapp für Politikum auf WDR5 festgehalten. mehr

Die Grenzen des Wirtschaftswachstums.

Langsam wird es zu einem Modethema: Wirtschaft ohne Wachstum. Viele Zeitungen und Radiosendungen berichten über Ideen zu einer Postwachstumsökonomie; zuletzt die taz in einer guten Serie.
Manche Moden aber bleiben erstaunlich folgenlos. Im politischen Ernstfall wird das Heil nach der Krise weiter in erhöhtem Wirtschaftswachstum gesucht. Und: Die Tatsache, dass etwas in (fast) aller Munde ist, bedeutet nciht, dass alle verstanden hätten, worum es wirklich geht.

Für Politikum von WDR 5 habe ich versucht klar zu machen, dass es nicht reicht, das Bruttosozialprodukt durch alternative Wohlstandsindikatoren auszutauschen. In einem WDR-Feature habe ich zudem die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und Fortschrittsglauben nachgezeichnet. Zum Nachlesen gibt es auch ein Feature, das beim RBB glaufen ist. mehr

Die Kirche dient sich denen an, die sich für Eliten halten.

Man könnte drüber lachen und sagen, das Papier des Rates der Evangelischen Kirche über "Evangelische Verantwortungseliten" sei so überflüssig wie ein Kropf. Aber das hieße, den Gegner zu unterschätzen! Denn es gibt Leute in der Kirche, die mit Hilfe solcher Papiere die Diskussionslage beeinflussen wollen - und es steht zu befürchten, dass Ihnen das gelingt. Eine Recherche über die, die hinter dem Eliten-Papier stehen. mehr

Ein Leben erzählen - Täuschung oder Sinnstiftung?

»Jeder Mensch erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält.« So erklärt es Max Frisch in seinem Roman Mein Name sei Gantenbein. Jede Geschichte, die ein Mensch sich von seinem Leben mache, sei letztlich eine Illusion. Frischs Freund und Schriftstellerkollege Peter Bichsel will mit Hilfe von Geschichten Leben erzählbar machen: »Die Menschen brauchen Geschichten, um überleben zu können. Sie brauchen Modelle, mit denen sie ihr eigenes Leben erzählen können. Nur das Leben, das man sich selbst erzählen kann, ist ein sinnvolles.« Im Radiofeature treffen die beiden aufeinander. mehr

Der Lastenträger. Christophorus als Zustand und Legende.

Da steigt das liebe Jesuskind dem Christophorus ganz schön unkomfortabel auf die Schulter. Und was macht es mit den Händen? Hält es sich im Haupthaar des Riesen fest und weist den Weg? Oder schlägt gar auf seines Trägers Kopf? In jedem Fall kein gemütlicher Reiter, das Kind bei Albrecht Dürer.

christophorus

Gemütlich ist es auch dem Lastenträger nicht, von dem mein Radiostück erzählt. mehr

Oh, freedom! Die Bischöfe und Aretha Franklin.

Oh Freedom, Freiheit, sang Aretha Franklin in dem Film Blues Brothers als Jack and Elwood Blues ihren Mann, den Saxophonspieler Lou Marini abspenstig machten. Er wolle ja nur seine Freiheit, aber er bedenke nicht: You need me, and I need you. Ich brauche Dich und Du brauchst mich. Das war für Aretha Franklin die Gegenthese zur individuellen Freiheit der Bluesrocker. mehr

Ganz normale Arbeitgeber? Das kirchliche Arbeitsrecht vor Umbrüchen.

Sie sind natürlich keine normalen Arbeitgeber, aber sie werden es vielleicht bald: Die Kirchen und ihre Wohlfahrtsverbände. Das Sonder-Arbeitsrecht der Kirchen gerät unter Druck; allerdings bei Protestanten und Katholiken unter umgekehrten Vorzeichen. Bei der Dikaonie fordern immer mehr Mitarbeitervertreter normale Tarifverträge. Bei der Caritas wollen die Mitarbeiter unter dem kirchlichen Arbeitsrecht bleiben. Aber die Arbeitgeber der Caritas könnten in die Versuchung kommen, nach dem säkularen Arbeitsrecht anzustellen, wenn dort die Entlohung günstiger ist. Erlaubt hat Ihnen das ein Kirchengericht, das der Vatikan eingesetzt hat. mehr

Die freie Wahl als höchstes Gut. Religionsfreiheit und Mission.

Das Recht auf Religionsfreiheit schließt das Recht ein, seinen Glauben offen zu vertreten und dafür zu werben. Doch die Antworten auf die Frage, welche Formen von Mission unlauter sind oder andere Menschenrechte verletzen, fallen unterschiedlich aus. Dennoch: Der Umgang mit denen, die sich für einen Wechsel der Glaubensgemeinschaft entscheiden, ist der Testfall für die Religionsfreiheit. mehr

Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte für die Wirtschaft.

Manchen war mein Buch Gewinn in alle Ewigkeit zu historisch:
Fleischmann Gewinn
Warum der Weg zurück an die Anfänge des Kapitalismus, um unsere Wirtschaft zu verstehen und zu verändern? In einem Vortrag, den ich letztes Jahr an der Uni Basel gehalten habe, habe ich versucht darauf eine Antwort zu geben. An einem Beispiel aus dem Buch habe ich gezeigt, zu welchen aktuellen Fragen die Rekonstruktion der Geistesgeschichte des Kapitalismus führt. Jetzt hat der Kunstraum Rhein, der mich damals eingeladen hatte, den Vortrag veröffentlicht. mehr