Oh, freedom!

Welche Freiheit meinen die deutschen Bischöfe in ihrem Sozialpapier?

Oh freedom, Freiheit, sang Aretha Franklin in dem Film Blues Brothers als Jack and Elwood Blues ihren Mann, den Saxophonspieler Lou Marini, abspenstig machten. Er wolle ja nur seine Freiheit, aber er bedenke nicht: You need me, and I need you. Ich brauche Dich und Du brauchst mich. Das war für Aretha Franklin die Gegenthese zur individuellen Freiheit der Bluesrocker.

Dabei wäre es umgekehrt richtig: You need me and I need you – das wäre eigentlich der Ausdruck sozialer Freiheit. Durch wechselseitige Anerkennung werden wir erst frei, unser Potenzial als Menschen auszuschöpfen, nicht nur dadurch, dass wir unser Ding machen und die anderen uns dabei bitte in Ruhe lassen.

Von Aretha Franklin muss man keine differenzierten Betrachtungen zur Freiheit erwarten – von katholischen Bischöfen könnte man das schon. Bei ihrem Versuch, ein »Leitbild einer freiheitlichen Ordnung« zu beschreiben, zeichnet die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der deutschen Bischofskonferenz ein sehr positives, wenn nicht gar euphorisches Bild der modernen Freiheitsgeschichte. Das hört man gerne. Daraus sollte man zitieren, wenn Ende der Woche der Dialogprozess der Bischöfe mit den Laien über die Reformen in der Kirche anstehen, wenn es also um die Freiheit in der Kirche geht.

Der Wermutstropfen aber ist, dass die Bischöfe die Freiheit im Stile des Liberalismus definieren: Die Freiheit des Anderen ist die Grenze meiner Freiheit. Besser wäre, in der Freiheit des Anderen die Voraussetzung meiner eigenen Freiheit zu sehen.

Schade, so geht es den Bischöfen nur darum, den einzelnen zu helfen, ihre Chancen auf ein freiheitliches Leben besser zu nutzen: Sie wollen den Kindern von sogeannten bildungsfernen Familien helfen, in dem sie z.B. für beitragsfreie Kindertagesstätten plädieren, sie wollen lebenslang Chancen zum Wiedereinstieg ins Berufsleben und fordern deswegen einen Dritten Arbeitsmarkt und kritisieren die Mini-Jobs ohne die Hartz-Gesetze insgesamt in Frage zu stellen; ja diese werden als ausdrücklich erfolgreich bezeichnet.

Einzig der Vorschlag, Vermögensvererbung stärker zu besteuern, verlässt ansatzweise die Logik des Kümmerns um die, die mehr Chancen brauchen.

Zur Idee der sozialen Freiheit aber dringen sie nicht durch. Dann wäre zu fragen, wie die gesellschaftlich vermittelten Beziehungen zwischen den Menschen aussehen müssten, dass alle gemeinsam ihr volles Potenzial entfalten.

WDR 5 Diesseits von Eden / 3.7.2011


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