Die Durchkapitalisierung der Welt.
Über Risiken und Nebenwirkungen des ethischen Investments.
Ethik boomt, auch da, wo man es nicht erwarten würde: beim Geld. Immer mehr Menschen wollen nicht nur eine satte Rendite für Ihr Geld einstreichen, sondern auch wissen, was mit ihrem Geld geschieht und investieren deswegen in Fonds die nach mehr oder weniger ethischen Kriterien wirtschaften: Über 380 solcher Fonds gibt es weltweit. Die Pionierarbeit ist getan, da konnte auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, das höchste Laiengremium des Katholizismus in Deutschland, gefahrlos ein Impulspapier zum ethischen Investment veröffentlichen:
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken möchte Kirchengremien und Privatpersonen ermuntern, ihr Geld – oder zumindest einen Teil davon – nach ethischen Kriterien zu investieren. Aber wenn’s um’s Geld geht, dann tut Beruhigung erst mal gut. Peter Weiß, CDU-Bundestagsabgeordneter und entwicklungspolitischer Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, erklärt:
O-Ton 1 Weiß
Uns geht es nicht darum, dass wir jetzt etwa mit einem moralisch erhobenen Zeigefinger […] den Leuten, den Spaß am Geldverdienen vertreiben wollten. Sondern selbstverständlich, Sie selber, jeder schaut, dass er mit dem vielen oder wenigen Geld, dass ihm zur Verfügung steht, möglichst so arbeitet, dass er dieses auch vermehrt.
Aber es sollen eben, quasi neben der Geldvermehrung, auch noch gute Zwecke verfolgt werden, in dem solche Unternehmen belohnt werden, die z.B. keine Rüstungsgüter herstellen, keine Kinderarbeit dulden oder keine Pornografie verbreiten. Die Laienkatholiken haben dazu einige Kriterien zusammengestellt, nach denen man sich einen Anlagefonds auswählen kann.
Besonderes Augenmerk haben Sie etwa auf Fonds gelegt, die Mikrofinanzinstitutionen unterstützen, also Banken die Kleinkredite an Arme vergeben. Eine Idee für die der Gründer der Grameen Bank, Muhammad Yunus, letztes Jahr den Friedensnobelpreis bekommen hat. Das Ausgeben der Kleinkredite sei längst nicht mehr etwas für Birkenstockträger, erklärt Professor Udo Steffens von der Frankfurt School of Finance and Management:
O-Ton 2 Steffens
Die Microfinance-Industrie, wenn ich das mal so sagen darf, ist sehr stark und sehr dynamisch unterwegs. [...] man kann das ja auch relativ profan sagen: Man kann sagen: Bankwachstumsraten werden im wesentlichen in den Gesellschaften realisiert werden, wo die unbank community relativ groß ist. Bei uns haben wir die Situation: [...] Ein zivilisierter Mensch ohne ein oder zwei Bankverbindungen ist in der Regel ein relativ rares Gut, [...] so dass wir hier eine relativ starke Saturierungsgrenze haben, und was wir gegenwärtig sehen ist ja durchaus ein Verdrängungwettbewerb.
Das heißt, bei uns kann man keine neuen Bankkunden gewinnen, aber in Entwicklungsländern, und so steigen auch herkömmliche Banken in das Geschäft mit den Kleinkrediten ein und erzielen damit gute Renditen. Freilich weiß der vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken bestellte Finanzexperte Steffens auch von Ängsten gegenüber Kleinkredit-Banken zu berichten:
O-Ton 3 Steffens
Ich saß in Kinshasa und traf jemanden vom Finanzministerium. [...] Seine Tochter arbeitete als loan officer für diese ProCredit Bank. [...] Da sagte er zutiefst: Sie hätte sich sehr verändert, sie wäre keine Afrikanerin mehr, sondern sie wäre jetzt sehr westlich orientiert. Das heißt, wenn der Kreditnehmer seinen Kredit nicht mehr zurückzahlte, würde die vorgehen in einer rabiaten Weise, dass es sozusagen mit der afrikanischen Kultur nicht mehr vereinbar sei, das sagte der zutiefst. Das heißt also, das Vermitteln jetzt gerade in Afrika von Kreditkultur und Kreditdisziplin [...] ist eine große kulturelle Schranke auch, die es zu überwinden gilt.
Ist es die Last des Weißen Mannes im 21. Jahrhundert, in Afrika Kreditkultur zu vermitteln? Udo Steffens sieht die Ambivalenzen und benennt auch die Kosten, die der boomende Markt mit kleinen Krediten mit sich bringt:
O-Ton 4 Steffens
Da treffen dann in afrikanischen Gesellschaften unterschiedliche Konzepte aufeinander, die dann eben auch mit der Vernichtung von sogenannten anthropologischen Nischen einhergehen. Muss man auch so sehen. Ist so, ist so! Das heißt, die Durchkapitalisierung der Welt [...] wird wahrscheinlich Entwicklungschancen..., aber wird auch zu anderen Fragestellungen führen.
Aber diese Fragen stellt sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken nicht: So lange deutsche Anleger ein gutes Gewissen und eine gute Rendite haben können, sind Investitionen in ethische Fonds und Kleinkreditbanken eine gute Sache, findet Peter Weiß:
O-Ton 5 Weiß
Man kann davon ausgehen, dass jemand der sehr bewusst im Bereich ethisches Investment mit seinem Geld investiert unterm Strich bei der Rendite nicht schlechter wegkommt als wenn er auf diese Frage gar nicht Wert gelegt hätte.
WDR 5 Diesseits von Eden / 3.9.2007




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