Ackermanns Einsichten.

Mit der Dissertation des Bankiers die Finanzkrise analysieren.

"Die Eigenkapitalrendite nach unserer Zielgrößendefiniton liegt bei 25 Prozent – wohlgemerkt vor Steuern. [...] Wir erreichen diese Rendite weil wir ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine starke Marktposition haben. Diese Renditen erzielen die besten Banken der Welt."

So kennen wir ihn, so hassen wir ihn: Josef Ackermann der Chef der Deutschen Bank, der auch in der Finanzkrise an seinen Renditezielen festhält. Was ihm als normal gilt - das schaffen die besten Banken der Welt - das ist anderen ein wesentlicher Grund für die Finanzkrise. Und diese anderen können sich für Ihre Sicht auf - Josef Ackermann berufen.
Genauer auf seine Dissertation aus dem Jahr 1977: Der Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen – geschrieben bei dem Ökonom und Wachstumskritiker Hans Christoph Binswanger.

Ackermann

Darin erklärt Ackermann, dass das Geld - entgegen der neoklassischen Theorie - nicht nur ein "Schmiermittel" für die realen wirtschaftlichen Verhältnissen sei, sondern eine Größe, die einen bestimmenden Einfluss auf die sogenannte Realwirtschaft hat. Er erklärt das daran, dass die Banken durch die Kreditvergabe neues Geld schaffen und

"dass die Geldschöpfung des Bankensystems eine notwendige Bedingung für den Investitions- und Wachstumsprozess in der arbeitsteiligen Geldwirtschaft darstellt."


Wenn ein Unternehmen einen Kredit aufnimmt, heißt das, dass erst das Geld da ist, bevor der ihm entsprechende Wert geschaffen wird. Der eingesetzte Kredit wird für Material und Löhne verausgabt, generiert also Kaufkraft. Die Kaufkraft entspricht nach neoklassischer Vorstellung dem damit produzierten Warenwert. Das wäre ein Nullsummenspiel, erkannte Ackermann: Der Unternehmer will aber mehr Geld einnehmen als er ausgegeben hat. Damit das Produzierte mit Gewinn verkauft werden kann, muss der Wirtschaft weiter Geld durch neue Kredite zufließen.

"Es lässt sich zeigen, dass konstante Nettoinvestitionen nicht genügen, um die Wirtschaft im Bereich der Kostendeckungszone zu halten. Vielmehr müssen die Nettoinvestitionen ständig wachsen."

Vereinfacht gesagt, muss einer Volkswirtschaft immer etwas mehr Geld zufließen, als sie schon in der Güterproduktion realisiert hat. Wenn aber der Volkswirtschaft viel mehr Geld zufließt wie in den letzten beiden Jahrzehnten, als das Wachstum der Geldmenge in keinem Verhältnis zum Wachstum der Realwirtschaft stand, dann ist das ein Problem: Denn irgendwer muss mal einen Wert erarbeiten, der die ganzen Zahlenkolonnen deckt. Dieser Druck erschöpft zuerst die Unternehmen und führt schließlich entweder zur Inflation oder – wie gesehen – zur Blasenbildung.

Soweit ist Ackermann in seiner Dissertation nicht gegangen, aber er hat durchaus erkannt, wer für das Wachsen der Geldmenge verantwortlich ist: Die Banken.

"Dabei sind die Banken […] an einer möglichst großen Kreditgewährung interessiert, da sich der Gewinn bei einer positiven Zinsdifferenz […] mit der Menge der vergebenen Kredite erhöht."

Die Banken haben ein Gewinninteresse an der Ausweitung der Geldmenge. Und wenn die Produktionen der Unternehmen nicht mehr genug Rendite erwirtschaften, dann vergeben – wie geschehen – die Banken eben Kredite für die Finanzmarktspekulation oder für das Aufkaufen, Zerlegen und Verkaufen von Unternehmen. Wer also etwas zur Verhütung von Finanzkrisen tun will, muss die Möglichkeiten der Banken, die Geldmenge zu erhöhen, drastisch einschränken. Das weiß seiner Dissertation zufolge auch Ackermann. Aber als Vorstandsvorsitzender einer Aktiengesellschaft ist er deren Gewinninteressen verpflichtet; darum sagt er:

"Die ordnende Hand des Staates darf aber nicht die Leistungsfähigkeit des Marktes insgesamt beeinträchtigen. Denn der Markt ist der Motor für Wachstum und für unser aller Wohlstand."

WDR 5 Politikum / 27.7.2010


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