"Sammelt Euch nicht Schätze auf Erden..."

Die rheinische Landeskirche will die Pensionsfonds auffüllen.

2014 hat die Evangelische Kirche im Rheinland mehr Kirchensteuern eingenommen als erwartet. Während die Schätzungen ursprünglich bei knapp 585 Millionen Euro lagen, gab Oberkirchenrat Bernd Baucks kurz vor Weihnachten eine spürbar höhere Summe bekannt: "Also die Prognose liegt bereits deutlich höher: bei 642 Millionen Euro Verteilbetrag."
Kein Grund zur Freude, denn nun wird es für die Kirchenleitung schwieriger, der Synode, also quasi dem Parlament der Kirche, klarzumachen, dass man 11,3 Millionen Euro aus dem Haushalt der Landeskirche sparen soll – besonders bei Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Aber mehr noch: Zugleich will die Kirchenleitung, dass ungefähr zwölf Millionen Euro pro Jahr zusätzlich in die Pensionskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte fließen. Was die rechte Hand spart, gibt die linke wieder aus.

"Ich halte diese Prioritätensetzung für in der Tat absolut nicht ausgewogen", kritisiert Hans-Jürgen Volk, Pfarrer aus dem Westerwald und Mitglied der Gruppe Kirchenbunt das zusätzliche Plus für die Pensionskasse, "Eine Kirche, die wirklich an die Zukunft denkt, muss vor allen Dingen an die Menschen denken in ihrem Verantwortungsbereich; sicherlich auch an andere Verpflichtungen, aber ich denk da ist das, was Kirche im Moment zur Sicherung von Versorgungsansprüchen tut, fast schon mehr als genug."

Auch nach Aussage der Pensionskasse für Pfarrer und Kirchenbeamte genügt das, was die Landeskirche derzeit einzahlt, um auf absehbare Zeit alle Pensionen auszuzahlen. Warum dann die zusätzlichen Millionen für die Kasse?

Besonders sparsame Landeskirchen in Deutschland sind stolz darauf, die Pensionsansprüche ihrer Pfarrer zu 100 Prozent durch Kapital gedeckt zu haben, was unnötig ist, da niemals alle Pensionsansprüche gleichzeitig bedient werden müssen. Aber diese Landeskirchen machen Druck auf die Kirchen, die nicht so viel gehortet haben, aus Angst, dass die reichen den finanzschwächeren irgendwann helfen müssten.

In einem "erweiterten Solidarpakt" haben sich die Leitungen der evangelischen Landeskirchen ohne Zustimmung ihrer Parlamente auf eine sehr sicherheitsorientierte Geldpolitik verständigt: hohe Rücklagen. Deswegen muss anderswo gespart werden – zusammen mit dem, was letztes Jahr schon gestrichen wurde, beläuft sich das Sparvolumen der rheinischen Landeskirche auf 20 Millionen jährlich. Thomas Begrich von der Evangelischen Kirche in Deutschland, die die Einhaltung des Paktes überwacht, findet das nicht unangemessen: "20 Millionen ist natürlich sehr viel Geld, aber verglichen an dem Gesamtfinanzvolumen der rheinischen Kirche sind 20 Millionen natürlich auch ein Volumen, das leistbar und darstellbar und auch verkraftbar ist."

Soweit die Durchsage der obersten Heeresleitung. Die betroffenen zehn Schulen der Landeskirche sehen das natürlich anders: Wenn Sie es nicht schaffen 4,5 Millionen einzusparen, droht einer oder mehreren von ihnen ein Trägerwechsel: von der Kirche zum Staat. Eine Kürzungsoption, die die Landeskirche auch in anderen Bereichen erwägt: Sollen Andere doch die bisherigen Aufgaben der Kirche übernehmen.

Das Problem ist aber nicht nur, dass die Kirche sich dabei als unzuverlässiger Partner erweist, das Problem für das eigene Haus ist, dass die Kirche in Zeiten von Rekordeinnahmen einen Niedergangsdiskurs pflegt. Eine Konsequenz: Immer weniger junge Leute wollen Pfarrerin oder Pfarrer werden.

So erschient am Horizont eine neue Kirche: Immer weniger Pfarrer und andere Mitarbeiter sind in der Arbeit mit Menschen engagiert, dafür sind die Pensionsfonds prall gefüllt. Das Beispiel des Limburger Bischofs hat gezeigt, dass die Menschen auf reiche Kirchen allergisch reagieren können. Und hier geht es um mehr als eine Luxus-Badewanne, EKD-weit liegen Milliarden in den kirchlichen Pensionsfonds.

WDR 5 Politikum / 12.1.201


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